Wasseraffäre Sudelfeld: Wurden 1 Mio. Euro zweckentfremdet?
Teil I: Die Fakten
Wie die Gemeinde Bayrischzell fast 1 Million Euro Steuergeld in die Wasserversorgung Sudelfeld investierte – und die Bürger nichts wissen sollten.
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Das Bild in einem Satz
Kein Einzelvorwurf. Kein Gerücht. Kein böser Verdacht aus der Hinterstube. Sondern ein System, das über Jahre gewachsen ist — dokumentiert in Handelsregisterauszügen, Gemeinderatsprotokollen und öffentlich einsehbaren Jahresabschlüssen. Man muss nur lesen können. Warum solche Systeme entstehen und welche psychologischen Mechanismen dahinterstecken, analysiert unser Artikel über direkte Demokratie und soziale Kontrolle. Wie viel Steuergeld pro Bürger tatsächlich verloren geht, zeigt der interaktive Steuerrechner in unserer Demokratie-Analyse.
IIDie Gemeinde — das Minus
Bayrischzell, 1.600 Einwohner. Eine kleine Gemeinde im Landkreis Miesbach, die von Zuweisungen und Fördermitteln lebt. Der Gemeindehaushalt weist strukturelle Schwächen auf, die für eine Gemeinde dieser Größe außergewöhnlich sind:
| Gesamthaushalt | ca. €8–9 Mio. |
| Schuldenstand | überdurchschnittlich |
| Investitionsrücklage | gering |
| Laufende Kosten | steigen überproportional |
Jeder Euro Förderung zählt. Oder sollte zählen. In Bayrischzell zählt man offenbar anders.
BSG zahlt laut Gebührensatzung (BGS-WAS §10) nur €0,80/m³. Preisvergleich: Gebührensatzung Wasserversorgung (BGS-WAS 14.11.2012, §10) vs. Haushaltsplan 2024
Das Skigebiet — das Plus
Die Bergbahnen Sudelfeld GmbH & Co. KG (BSG) betreibt eines der größten zusammenhängenden Skigebiete Deutschlands. Kein Sanierungsfall. Kein Unternehmen in Not.
| Jahresüberschuss | €1.267.000 |
| Eigenkapital | €3.699.909 |
| Eigenkapital Vorjahr | €2.654.740 |
| Sachanlagen | €13,2 Mio. |
| Geschäftsführer | Egidius Stadler |
1,27 Millionen Gewinn — allerdings flossen davon rund 1,16 Millionen Euro aus EU-Corona-Hilfen. Ohne Subventionen blieben gerade einmal 108.000 Euro. 3,7 Millionen Eigenkapital. 13 Millionen Sachanlagen. Das ist kein Betrieb, der auf eigenen Beinen steht. Das ist ein Betrieb, der ohne öffentliche Gelder nicht überlebensfähig ist — und sie trotzdem bekommt.
| Quelle | Betrag |
|---|---|
| Bayerisches Förderprogramm gewerbliche Wirtschaft | €2.600.000 |
| Covid-19-Beihilfen (EU-notifiziert, SA.56790) | €1.159.000 |
| Gesamt bereits erhaltene Beihilfen | €3.759.000 |
Quellen: North Data / EU-Transparenzdatenbank. Das Unternehmen ist dem Staat als Beihilfeempfänger bereits bekannt.
Das Geflecht — wer mit wem
Egidius Stadler sitzt gleichzeitig auf beiden Seiten desselben Tisches. Als Entscheider der Gemeinde — und als Nutznießer des Unternehmens. In der Wirtschaft nennt man das einen Interessenkonflikt. In Bayrischzell nennt man das offenbar Kommunalpolitik.
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Interaktive Netzwerkgrafik — Knoten anklicken für Details | Quellen: HRA 100393, HRB 203961, HRB 213266
Rolle 1: Vize-Bürgermeister der Gemeinde Bayrischzell — stimmt über kommunale Ausgaben und Förderprojekte ab.
Rolle 2: Geschäftsführer der Bergbahnen-Sudelfeld Geschäftsführungs GmbH (HRB 203961) — leitet das operative Geschäft des Skigebiets.
Rolle 3: Kommanditist der BSG KG mit €150.000 Einlage — profitiert persönlich von jedem guten BSG-Geschäftsjahr.
Rolle 4: Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft Sudelfeld mbH (bis 11/2024) — kontrollierte damit faktisch über 40% der BSG.
Die Gemeinde ist selbst Kommanditistin der BSG mit €150.000 Einlage. Sie ist also Miteigentümerin des Unternehmens, dem sie gleichzeitig günstiges Wasser liefert.
Sie hat die €980.000-Wasserleitung mit €0 Eigenanteil gebaut, kassiert €350.000 Wassergebühren — und finanziert den schwächsten Haushalt im Landkreis.
Die Komplementär-GmbH (HRB 203961) steuert den operativen Betrieb der BSG KG. Wer hier Geschäftsführer ist, entscheidet über Investitionen, Beschneiung und Wasserverbrauch.
Geschäftsführer: Egidius Stadler — bis heute.
Die Beteiligungsgesellschaft (HRB 213266) hält mit €505.000 den größten Einzelanteil an der BSG KG. Wer diese GmbH kontrolliert, kontrolliert faktisch die BSG.
Geschäftsführer bis November 2024: Egidius Stadler. Abberufen am 14.11.2024 — mitten in der zunehmenden Aufmerksamkeit.
Die BSG KG (HRA 100393) betreibt eines der größten Skigebiete Deutschlands. Jahresüberschuss 2021/22: €1.267.000. Eigenkapital: €3,7 Mio.
Hauptnutzer der €980k-Wasserleitung. Bezieht Wasser für nur €0,80/m³ (BGS-WAS §10) — während Beschneiungswasser am Markt €1,00–2,00/m³ kostet.
Bereits €3,76 Mio. staatliche Beihilfen erhalten (Förderprogramm + Covid).
| Rolle | Funktion | Beleg |
|---|---|---|
| Vize-Bürgermeister | Gemeinderatsmitglied, kommunale Entscheidungen | Gemeinderat Bayrischzell |
| Geschäftsführer BSG GF GmbH | Operativer Leiter des Skigebiets | HRB 203961 |
| Kommanditist BSG KG | €150.000 persönliche Einlage | HRA 100393 |
| GF Beteiligungsgesellschaft | Kontrolle über €505k-Anteil (bis 11/2024) | HRB 213266 |
Stadler kontrollierte damit faktisch über 40 % der BSG — nicht nur seine nominellen ~10 %.
Das Projekt — die Rechnung
Was gebaut wurde
Anschluss der Jugendherberge Sudelfeld und weiterer Anwesen am Mittleren Sudelfeld an das gemeindliche Wasserversorgungsnetz. Offizieller Anlass: Die Eigenwasserversorgung der Jugendherberge sei nicht mehr ausreichend.
Offiziell fünf Abnehmer plus Straßenmeisterei. Plausibler Trinkwasserbedarf zusammen: maximal 5.200–9.200 m³/Jahr.
| Objekt | Annahme | Geschätzter Bedarf/Jahr |
|---|---|---|
| Jugendherberge Sudelfeld | 50 Pers. × 280L/Tag × 200 Tage | ~2.800 m³ |
| Berghotel Sudelfeld (22 Zimmer + Brösel Alm) | 22 Zi. × 2 Pers. × 150L × 180 Tage, 70% Auslastung | ~850 m³ |
| Speck-Alm (Berggasthaus) | Tagesgäste, Saisonbetrieb | ~500 m³ |
| Schindlberger Alm (Berggasthaus + Bar) | Schätzung | ~400 m³ |
| Schialm / Geierwally (Skihuette) | Schätzung | ~300 m³ |
| Straßenmeisterei | nicht offiziell genannt | ~350 m³ |
| Gesamt konservativ | ~5.200 m³ | |
| Gesamt großzügig | ~9.200 m³ |
Quelle: Gemeindenachrichten Sommer 2024 (5 Abnehmer offiziell). BSG selbst und Straßenmeisterei nicht offiziell genannt.
Tatsächlicher Verbrauch
Mehrverbrauch pro Jahr seit Sudelfeld-Anschluss (Rechenschaftsbericht 2024)
Flächenproportionale Darstellung: Erklärbarer Trinkwasserbedarf (blau) vs. Mehrverbrauch seit Anschluss (rot) | Quellen: Rechenschaftsbericht 2024, BGS-WAS §10
Sechs Gebäude. Maximal 9.200 Kubikmeter Bedarf. 269.000 Kubikmeter Mehrverbrauch. ~260.000 Kubikmeter ungeklärt — das reicht für 1,7 Füllungen des BSG-Speichersees. Die Leitung führt zum Skigebiet. Der Rest ist Mathematik.
Wer hat das bezahlt?
Zum Freundschaftspreis. An das Unternehmen des Vize-Bürgermeisters.
Wohin das Geld fließt — Schritt für Schritt
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Die gesamten Baukosten der Wasserleitung zum Sudelfeld betragen €980.000. Kein einziger Euro davon kommt aus dem Gemeindehaushalt. Alles ist Steuergeld: €690.000 aus dem Sonderprogramm Berghütten und €290.000 vom Staatlichen Bauamt Rosenheim.
Dieses Förderprogramm ist konzipiert für kommunale Trinkwasserversorgung von Berghütten. Es ist nicht für gewerbliche Beschneiungsanlagen gedacht. Im Förderantrag muss der Verwendungszweck angegeben werden. Welchen Zweck hat die Gemeinde dort eingetragen?
Wenn dort „Trinkwasser“ steht, widerlegen die Volumina das (260.000 m³ ungeklärt). Wenn dort „Beschneiung“ steht, hätte die Förderung nie bewilligt werden dürfen.
Die Gemeinde hat keinen Euro Eigenanteil bezahlt — kassiert €350.397 Wassergebühren pro Jahr, legt aber operativ €15.171 drauf. Sie ist gleichzeitig Miteigentümerin der BSG (€150k Einlage) und Lieferantin von günstigem Wasser an dasselbe Unternehmen.
Offiziell für 5 Gebäude gebaut (Jugendherberge, Straßenmeisterei, Café, Almhütte, Wochenendhaus). Plausibler Bedarf: 3.000 m³/Jahr.
Der Mehrverbrauch seit Anschluss beträgt 269.000 m³ pro Jahr. Davon sind ~260.000 m³ durch die offiziellen Abnehmer nicht erklärbar — das entspricht 1,7 Füllungen des BSG-Speichersees oder dem Bedarf einer Kleinstadt.
BSG zahlt €0,80/m³ für Wasser (BGS-WAS §10), das am Markt für Beschneiung €1,00–2,00/m³ kostet. Das ergibt eine implizite Subvention von €104.000 bis €364.000 pro Jahr.
Und das bei einem Unternehmen mit €1,27 Mio. Jahresüberschuss und €3,7 Mio. Eigenkapital. Kein Sanierungsfall — ein profitables Unternehmen, an dem der Vize-Bürgermeister persönlich beteiligt ist.
Die Gemeinde Bayrischzell ist mit €150.000 Kommanditeinlage an der BSG beteiligt (HRA 100393). Eine finanzschwache Gemeinde — mit überdurchschnittlichem Schuldenstand, geringer Investitionsrücklage und steigenden laufenden Kosten — hält eine sechsstellige Beteiligung an einem privaten Skigebietsbetreiber.
Warum? Welchen Nutzen hat die Beteiligung für die Bürger? Welche Rendite fließt zurück in den Gemeindehaushalt? Welcher Gemeinderatsbeschluss liegt der Beteiligung zugrunde — und wer hat damals abgestimmt?
Fest steht: Die Beteiligung macht die Gemeinde zur Miteigentümerin desselben Unternehmens, dem sie gleichzeitig Wasser unter Marktpreis liefert, für das sie Fördermittel beantragt hat und dessen Vize-Bürgermeister auf der Geschäftsführungsebene sitzt. Es entsteht ein System wechselseitiger Abhängigkeiten, in dem eine neutrale Wahrnehmung kommunaler Interessen kaum noch möglich ist.
Was das den Steuerzahler kostet — jedes Jahr
Nicht einmalig. Nicht als Starthilfe. Nicht als Coronahilfe. Sondern laufend, dauerhaft, Jahr für Jahr. Wenn BSG tatsächlich Beschneiungswasser zum Haushaltstarif bezieht:
| Position | Betrag |
|---|---|
| Mehreinnahmen Wasser 2024 | +€161.397 |
| Mehrausgaben Betrieb | −€176.568 |
| Operativer Verlust 2024 | −€15.171 |
| Kommunaltarif (BGS-WAS §10) | €0,80/m³ |
| Marktpreis Beschneiungswasser | €1,00–2,00/m³ |
| Unerklärter Mehrverbrauch | ~260.000 m³ |
| Implizite Subvention pro Jahr | €104.000 – 364.000 |
Jede denkbare Vertragsgestaltung führt in eine Sackgasse:
| Szenario | Konsequenz |
|---|---|
| Vertrag nennt Trinkwasser | Widerlegt sich durch die Volumina (260.000 m³ ungeklärt) |
| Vertrag nennt Beschneiung | Belegt Förderbetrug + EU-Beihilfepflicht |
| Kein Vertrag vorhanden | Verletzt KommHV, Förderverwendung fragwürdig |
Die Chronologie
Die Abberufung Stadlers als Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft fällt nicht in einen politischen Routinevorgang. Sie fällt exakt in den Moment, in dem die Aufmerksamkeit steigt. Fünf Jahre lang war die Vierfachrolle kein Problem. Dann, plötzlich, schon.
Die Chronologie:
- 2019–2023: Stadler hält alle vier Rollen gleichzeitig. Kein Gemeinderat fragt. Kein Landratsamt prüft. Keine Zeitung schreibt. Fünf Jahre Stille.
- Frühjahr 2024: Der Haushaltsplan 2024 wird öffentlich. Er weist €350.000 Wassereinnahmen aus — geplant waren €189.000. Das ist 85% mehr als budgetiert. Die Volumen-Anomalie wird für jeden sichtbar, der genau hinschaut.
- 14. November 2024: Notariell beglaubigt: Stadler wird als GF der Beteiligungsgesellschaft abberufen. Die Prokura von Karina Seyfried-Sobotta erlöscht gleichzeitig. Anton Pletzer aus Österreich übernimmt.
Was in Bayrischzell passiert, bleibt nicht mehr in Bayrischzell. Die Wasseraffäre ist längst über den Stammtisch hinaus:
- Haushaltszahlen: Die €350.000 Wassereinnahmen stehen schwarz auf weiß im Haushaltsplan — ein Dokument, das jeder einsehen kann. Die Diskrepanz zwischen Plan (€189k) und Ist (€350k) ist keine Interpretation. Es ist eine Zahl.
- Handelsregister: Drei Registereinträge (HRA 100393, HRB 203961, HRB 213266) dokumentieren Stadlers Rollen lückenlos. Jeder Journalist, jede Aufsichtsbehörde, jeder Bürger kann sie abrufen. In zehn Minuten.
- Digitale Dokumentation: Jede Zahl auf dieser Seite ist öffentlich prüfbar. Kein Hinterzimmer-Wissen, kein Insidertipp. Nur Lesen, Rechnen, Verbinden. Das Internet vergisst nicht — und Bayrischzell ist nicht mehr abgelegen genug, um unbeobachtet zu bleiben.
Die Aufmerksamkeit lässt sich nicht mehr abstellen. Die Fragen sind gestellt. Die Zahlen sind öffentlich. Die Antworten stehen aus.
Die Befangenheitsfrage
Am 9. Dezember 2019 hat der Gemeinderat ausdrücklich festgestellt, dass Egidius Stadler aufgrund seiner vierfachen Funktion nach Art. 49 GO Bayern von Abstimmungen ausgeschlossen ist, die BSG betreffen.
Stadler hat sich bei diesem Beschluss korrekt enthalten. Damit ist urkundlich belegt, dass er und der Gemeinderat die Ausschlusspflicht kannten.
Für die Wasserinfrastruktur-Beschlüsse 2021–2023 fehlt bislang jede Dokumentation einer Enthaltung Stadlers:
| Abstimmung | BSG-Relevanz | Enthaltung dokumentiert? |
|---|---|---|
| 2021: Zustimmung Anschluss + Planung | direkt | Nicht bekannt |
| 2022/23: Vergabe Bauarbeiten + Förderantrag | direkt | Nicht bekannt |
| 2023: Kostenübernahme-Vereinbarung | direkt | Nicht bekannt |
Die Verantwortung des Bürgermeisters
Georg Kittenrainer ist seit 2014 Bürgermeister. Er hat den Förderantrag unterschrieben. Er hat den Haushalt verantwortet. Er war persönlich anwesend beim Notartermin im Dezember 2019. Er wusste, wer auf der anderen Seite des Tisches sitzt. Er hat es geschehen lassen.
Was er getan hat
- Den Förderantrag für das €980k-Projekt unterzeichnet
- Die Kostenübernahme mit dem Staatlichen Bauamt geschlossen
- Den Haushalt 2024 mit €350.000 Wassereinnahmen verantwortet
- All das, während er wusste, wer auf der anderen Seite sitzt
Was er nicht getan hat
- Nicht öffentlich auf Stadlers Interessenkonflikt hingewiesen
- Nicht sichergestellt, dass Stadler bei allen BSG-Abstimmungen ausgeschlossen war
- Keine marktgerechte Preisgestaltung für die Wasserlieferung durchgesetzt
- Nicht geprüft, ob das Förderprogramm für diesen Zweck geeignet war
Die rechtlichen Dimensionen
Wenn Stadler bei den Wasser-Beschlüssen 2021–2023 abgestimmt hat, ohne sich für befangen zu erklären, wäre das eine Verletzung der Gemeindeordnung. Betroffene Beschlüsse könnten nichtig sein.
Zuständig: Landratsamt Miesbach als Rechtsaufsicht
Das Sonderprogramm Berghütten ist für kommunale Trinkwasserversorgung bestimmt. Wenn im Förderantrag der tatsächliche Hauptnutzungszweck — gewerbliche Beschneiung — nicht angegeben oder verschleiert wurde, steht § 264 StGB im Raum.
Der Förderantrag liegt bei der Regierung von Oberbayern und ist über IFG-Antrag einsehbar.
Wenn die Gemeinde Wasser weit unter Marktpreis an ein Unternehmen liefert, an dem der Vize-Bürgermeister persönlich beteiligt ist, ist der Tatbestand der Untreue zum Nachteil der Gemeinde zu prüfen.
Die Lieferung von Beschneiungswasser unter Marktpreis an ein Skigebiet mit internationalem Wettbewerb erfüllt alle vier Tatbestandsmerkmale einer staatlichen Beihilfe. Die implizite Beihilfe beträgt €104.000–364.000 pro Jahr. Über 3 Jahre: €312.000–1.092.000 — über der De-minimis-Schwelle von €300.000.
BSG hat bereits Beihilfen über das EU-Transparenzsystem gemeldet erhalten — eine weitere nicht gemeldete Beihilfe ist besonders brisant.
Zuständig: DG Competition, EU-Kommission Brüssel
Was feststeht — urkundlich belegt
- Die Gemeinde ist finanziell schwach und auf Fördergelder angewiesen
- BSG macht Millionengewinne (€1,27 Mio. Jahresüberschuss)
- BSG wird mit €0 Eigenanteil der Gemeinde mit einer €980k-Infrastruktur versorgt
- Der Vize-Bürgermeister ist persönlich an BSG beteiligt (4 Rollen)
- Der Bürgermeister wusste vom Interessenkonflikt seit spätestens Dezember 2019
- Der Mehrverbrauch (269.000 m³/Jahr, davon ~260.000 ungeklärt) ist mit dem offiziellen Zweck nicht vereinbar
- Das Förderprogramm war für Trinkwasser bestimmt, nicht für Beschneiung
Wer die Fakten widerlegen will, muss bessere Fakten bringen. Wir warten.
Worum es wirklich geht
Das Skigebiet Sudelfeld ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor für Bayrischzell. Ein starkes Sudelfeld kann Arbeitsplätze sichern, den Tourismus stärken und die gesamte Region beleben — davon könnten alle profitieren. Vorausgesetzt, die Gemeinde wahrt dabei die Interessen aller Bürger und nicht nur die einzelner wirtschaftlich Beteiligter.
Genau hier liegt das Problem: Nicht das Sudelfeld ist das Problem. Nicht dessen Gewinne. Sondern die Art und Weise, wie öffentliche Mittel eingesetzt und Entscheidungen getroffen werden — unter Beteiligung von Personen, die auf beiden Seiten des Tisches sitzen.
Eine Kommune ist nach Art. 57 GO Bayern verpflichtet, das Wohl aller Gemeindeangehörigen zu fördern. In Bayrischzell stellt sich die Frage, ob diese Pflicht in mehreren Bereichen erfüllt wird:
- Kommunaler Wohnungsbau: Kein Bauland ausgewiesen, keine erkennbare Initiative für bezahlbaren Wohnraum. Einheimische finden zunehmend keine Wohnung am Ort.
- Infrastrukturkosten: Die Bürger sollen erhebliche Herstellungsbeiträge für die Kläranlage tragen — während die Gemeinde Großprojekte mit ausschließlich externer Finanzierung durchführt, deren Hauptnutzer ein privatwirtschaftliches Unternehmen ist.
- Medizinische Grundversorgung: Eine Gemeinde mit über 1.600 Einwohnern und erheblichem Tourismusaufkommen verfügt über keine Apotheke und kein ärztliches Versorgungszentrum.
- Verwaltungstransparenz: Kein digitales Bürgerportal, keine öffentlich zugänglichen Gemeinderatsprotokolle, keine proaktive Informationspolitik gegenüber den Gemeindebürgern.
Während in diesen Bereichen kaum Fortschritte erkennbar sind, funktioniert die Versorgung des Sudelfeld reibungslos. Bürgermeister Georg Kittenrainer unterzeichnet die Förderanträge. Amtsleiter Josef Acher setzt die Verwaltungsvorgänge um. Und Vize-Bürgermeister Egidius Stadler steht als wirtschaftlich Beteiligter auf der Empfängerseite.
Von einem wirtschaftlich starken Sudelfeld könnten alle profitieren — wenn die Gemeinde ihre Aufgabe als Treuhänderin des Gemeinwohls ernst nimmt, Interessenkonflikte offenlegt und die Bedürfnisse aller Bürger gleichrangig berücksichtigt. Die dokumentierten Vorgänge legen nahe, dass dies bislang nicht in ausreichendem Maße geschehen ist. Unsere 28-Tage-Bilanz fasst die wichtigsten Meilensteine zusammen. Das Wahlergebnis vom 8. März 2026 ändert daran nichts – eine Analyse der Zahlen zeigt, warum.
XIIIBeihilfeverstoß melden
Die dokumentierten Vorgänge — Subventionsbetrug, Untreue, Befangenheit, EU-Beihilfeverstoß — betreffen nicht nur die Gemeinde. Sie betreffen die Öffentlichkeit. Der Spiegel berichtet investigativ über genau solche Vorgänge. Unten steht ein vorformulierter Recherche-Hinweis. Zwei Klicks, fertig.
An: Staatsanwaltschaft München II – poststelle@sta-m2.bayern.de
Kopie: Spiegel-Redakteur (wird zufällig gewählt)
Kopie: EU-Kommission, DG Competition – comp-state-aid-greffe@ec.europa.eu
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Quellen und Belege
| Dokument | Quelle | Belegt |
|---|---|---|
| Stadler = GF Bergbahnen-Sudelfeld GF GmbH | HRB 203961 | Operativer Einfluss auf BSG |
| Stadler = Kommanditist BSG KG €150k | HRA 100393 | Direktes wirtschaftliches Interesse |
| Stadler = GF Beteiligungsgesellschaft bis 11/2024 | HRB 213266 | Faktische Kontrolle über größten BSG-Anteil |
| Gemeinde = Kommanditistin BSG €150k | HRA 100393 | Interessenkonflikt auf beiden Seiten |
| Beschluss 141 mit Art. 49 GO | GR-Protokoll 09.12.2019 | Befangenheitspflicht urkundlich |
| GR-Beschluss Wasseranschluss 2021 | Gemeindeblatt Sommer 2023 | Zeitpunkt des Beschlusses |
| Wassereinnahmen €350k | Haushalt 2024 | Volumen-Anomalie |
| BSG Jahresüberschuss €1,27 Mio. | Bundesanzeiger 2022 | Keine wirtschaftliche Notlage |
| BSG Covid-Beihilfen €1,16 Mio. | EU-Transparenzdatenbank | EU bereits involviert |
| Abberufung Stadler als GF 11/2024 | HRB 213266 | Timing-Frage |
Alle genannten Zahlen und Fakten basieren auf öffentlich zugänglichen Quellen: Handelsregister München (HRA 100393, HRB 203961, HRB 213266), Bundesanzeiger-Jahresabschlüsse BSG 2021/22, Gemeindeblatt Bayrischzell Sommer 2023, Haushaltsplan Gemeinde Bayrischzell 2024, notariell beglaubigte Gesellschafterbeschlüsse November 2024.
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Wenn öffentliche Gelder intransparent fließen und Verflechtungen zwischen Amt und Privatinteressen ungeprüft bleiben, braucht es Bürger, die hinschauen. Teile diese Recherche – damit Steuergelder dort ankommen, wo sie hingehoren: bei der Gemeinde.
Jeder Bürger hat nach Art. 5 GG das Recht, sich aus öffentlich zugänglichen Quellen frei zu informieren und Informationen frei zu verbreiten. Diese Recherche basiert ausschließlich auf öffentlichen Registerdaten, amtlichen Dokumenten und Gemeindeunterlagen. Warum Bayern als eines der letzten Bundesländer noch immer kein Transparenzgesetz hat, zeigt unser Hintergrundartikel.
Weiterführende Analyse
Teil II: Die Strukturen dahinter
Pletzer Gruppe, Haushaltsverschleierung, Vorsteuer-Anomalie, EU-Beihilfe — die vollständige strukturelle Analyse.
Teil II lesen →Verwandte Artikel: Haushalt-Dashboard • Heizkosten-Analyse • Straßensanierung