Herzlichen Glückwunsch, Herr Landrat Zangenfeind!
78 Prozent – ein Landkreis will den Neuanfang · 23. März 2026
Jens Zangenfeind (FWG) ist der neue Landrat des Landkreises Miesbach. In der Stichwahl setzte er sich mit 78 Prozent gegen Franz Schnitzenbaumer (CSU) durch. In Bayrischzell stimmten 81,3 Prozent für Zangenfeind – 518 von 637 gültigen Stimmen.
Die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises – und ganz besonders die Bayrischzeller – haben ein unmissverständliches Signal gesendet: Sie wollen einen Landrat, der hinschaut, der prüft und der handelt.
Im gesamten Landkreis Miesbach hat kein einziger CSU-Stichwahl-Kandidat gewonnen. In der Kreisstadt Miesbach wurde Bürgermeister Gerhard Braunmiller (CSU) durch den SPD-Herausforderer Thomas Acher abgelöst. In Weyarn holte sich die SPD mit Simon Pause ebenfalls den Bürgermeisterposten. Die CSU verliert den Landratsposten, den sie erst vor sechs Jahren von den Grünen übernommen hatte – und dazu gleich zwei Rathäuser in einer Nacht.
Olaf von Löwis, der 71-jährige Amtsinhaber, war nach nur einer Amtszeit nicht mehr angetreten. Sein Nachfolger kommt nun von den Freien Wählern – und die Bürger haben ihn mit einer Deutlichkeit gewählt, die bayernweit Schlagzeilen macht.
Stimmenvergleich: 1. Wahlgang vs. Stichwahl
Stimmenverschiebung
Trotz 263 weniger Wählern hat Zangenfeind in absoluten Zahlen 80 Stimmen dazugewonnen. Schnitzenbaumer hat mehr als die Hälfte seiner Stimmen verloren. Von den 189 Stimmen, die im ersten Wahlgang an die fünf anderen Kandidaten gingen, ist kein nennenswerter Anteil zur CSU gewandert.
Stichwahl-Ergebnis im Vergleich
| Löwis 2020 (CSU) | Zangenfeind 2026 (FWG) | |
|---|---|---|
| 1. Wahlgang | 18.039 Stimmen (36,75 %) | ~23.500 Stimmen (45,3 %) |
| Stichwahl | 65,41 % | 78,0 % |
| Wahlbeteiligung Stichwahl | 65,23 %* | 50,2 % |
*Die Stichwahl 2020 fand mitten in der Corona-Pandemie als reine Briefwahl statt – alle Wahlberechtigten erhielten automatisch ihre Unterlagen, was die ungewöhnlich hohe Beteiligung erklärt.
Zangenfeind musste seine Stimmen unter normalen Bedingungen holen. Dass trotzdem 78 Prozent für ihn stimmten, unterstreicht die Dimension dieses Mandats.
Besonders pikant ist dieses Ergebnis für Landtagspräsidentin Ilse Aigner. Als Löwis 2020 den Landratsposten für die CSU zurückeroberte, ließ sie es sich nicht nehmen, öffentlich zu jubeln:
Mit Löwis sei nun ein „empathischer und durchsetzungsstarker Mann an der Spitze“ und im Landkreis sei „statt Verwalten auch wieder Gestalten angesagt“.
Gestaltet wurde dann sechs Jahre lang – aber offenbar nicht im Sinne der Bürger.
Denn in Bayrischzell ist es ein offenes Geheimnis, was Bürgermeister Kittenrainer im Ort regelmäßig durchblicken lässt: dass ihm niemand etwas kann, weil Ilse Aigner hinter ihm steht. Nach übereinstimmenden Schilderungen mehrerer Bürger verweist Kittenrainer bei kritischen Nachfragen gerne darauf, dass „die Ilse“ im Bilde sei und er sich um nichts sorgen müsse.
Kittenrainer brüstet sich bis heute mit seinem Wahlergebnis von 81,1 Prozent. Doch was er dabei unterschlägt: Diese 81,1 Prozent bedeuten genau 708 Stimmen bei einem einzigen Gegenkandidaten. Am selben Wahltag stimmten 438 Bayrischzeller – also fast zwei Drittel seiner eigenen Wähler – gleichzeitig für Zangenfeind als neuen Landrat.
Die Bilder sprechen für sich
Mehr als Parteifreunde: eine quasi-familiäre Bindung
Die persönliche Nähe zwischen Aigner und Kittenrainer geht nach übereinstimmenden Angaben aus dem Ort über die üblichen parteiinternen Verbindungen hinaus: Aigner ist demnach Taufpatin mindestens eines der vier Kinder Kittenrainers. Im ländlichen Bayern ist eine Taufpatenschaft kein beiläufiger Akt – sie begründet eine quasi-familiäre Bindung, die auf Lebenszeit angelegt ist.
Das ist an sich nichts Verwerfliches. Verwerflich wird es, wenn eine Landtagspräsidentin mit einer derart engen persönlichen Bindung an einen Bürgermeister es systematisch unterlässt, öffentlich Fragen zu dokumentierten Missständen in dessen Gemeinde zu stellen. Die Bürger im Landkreis fragen zu Recht: Kann eine Taufpatin gleichzeitig eine glaubwürdige politische Kontrollinstanz sein?
Was Aigner nie gefragt hat
Die Bürger stellen fest: Aigner hat als CSU-Stimmkreisabgeordnete und zweithöchste Repräsentantin des Freistaats Bayern nie öffentlich Fragen zu den dokumentierten Missständen in Bayrischzell gestellt:
- Warum hat Bayrischzell die schlechteste Haushaltslage aller 17 Gemeinden im Landkreis – trotz Tourismuseinnahmen?
- Warum erhielt der Bürgermeister-Hof gleich zwei von nur sechs Glasfaseranschlüssen der gesamten Gemeinde – darunter einen für das Haus einer über 80-jährigen Mieterin auf seinem Grund, die schnelles Internet weder braucht noch nutzt?
- Wie steht es um die Zweckbindung öffentlicher Fördermittel am Sudelfeld?
- Warum explodierte der Straßenbau-Etat 2024 um 189.000 Euro?
- Warum durfte ein Vizebürgermeister gleichzeitig Geschäftsführer des Unternehmens sein, über dessen Projekte er im Gemeinderat abstimmte?
Stattdessen: Rückendeckung. Schweigen. Schutz.
Sechs Jahre später hat der Landkreis das Urteil über dieses System gesprochen – mit einer Deutlichkeit, die keinen Interpretationsspielraum lässt: Nicht ein einziger CSU-Stichwahl-Kandidat im Landkreis Miesbach hat überlebt. Das ist nicht nur eine Niederlage für Schnitzenbaumer. Es ist eine Quittung für das Arrangement zwischen einem Bürgermeister, der sich unangreifbar wähnt, und einer Landtagspräsidentin, die ihn gewähren lässt.
Die Zuschriften, die uns in den vergangenen Wochen erreicht haben, zeigen: Die Menschen verbinden mit diesem Wahlergebnis eine konkrete Erwartung. Sie erwarten, dass Zangenfeind die eklatanten Missstände in Bayrischzell konsequent angehen wird – damit die Gemeinde auch in Zukunft ein lebenswerter Ort für alle bleibt. Nicht nur für einige wenige.
Die Ära, in der ein Anruf in München genügte, um unbequeme Fragen verstummen zu lassen, muss mit dem neuen Landrat zu Ende sein.
Auf seiner Website hat der neue Landrat sieben Ziele formuliert. Die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis nehmen ihn beim Wort.
Man muss schon sehr leidensfähig sein, wenn man eine Freundschaft zu Kittenrainer pflegt. Selbst langjährige Weggefährten wie Familie Gaukler von der Roten Wand – obwohl die Glasfaserleitung direkt vor ihrer Haustür verläuft – gingen beim Breitbandausbau leer aus. Aber Geduld: Wenn sich der frisch gewählte Gemeinderat Gaukler in den Abstimmungen der nächsten Jahre bewährt, bekommt er vielleicht um 2030 herum auch einen Anschluss.
78 Prozent im Landkreis. 81,3 Prozent in Bayrischzell. Mehr Erststimmen als Löwis 2020. Die CSU ohne einen einzigen Stichwahl-Sieg. Das ist kein Protest – das ist ein Auftrag.
Die Bürgerinnen und Bürger haben Jens Zangenfeind ihr Vertrauen geschenkt, weil sie überzeugt sind, dass er den Willen und die Fähigkeit mitbringt, den Landkreis in eine bessere Zukunft zu führen. Für Bayrischzell bedeutet das: ein Ende der Intransparenz, ein Ende der Selbstbedienung, ein Ende der Benachteiligung von Neubürgern – und ein Ende des Systems, in dem ein Bürgermeister sich auf die Schutzmacht einer Landtagspräsidentin verlässt, statt sich den Fragen seiner eigenen Bürger zu stellen.
Wir freuen uns darauf.
Die Redaktion von Zeller Schmankerl wünscht dem neuen Landrat Jens Zangenfeind eine glückliche Hand für den Landkreis Miesbach – und den Mut, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen.
Quellen: Vorläufiges Wahlergebnis Landkreis Miesbach (landkreis-miesbach.de), Ergebnis Gemeinde Bayrischzell (Stichwahl | 1. Wahlgang), Wahlversprechen Zangenfeind (jens-zangenfeind.de), Ergebnis Landratswahl 2020 (kommunalwahl2020.bayern.de), Haushaltsdaten Gemeinde Bayrischzell, Das Gelbe Blatt, Tegernseerstimme.
Redaktion zeller-schmankerl.bz