Liftstreit Sudelfeld: Wie ein Familienbetrieb verschwand

Recherche · 24. März 2026 · Basierend auf 13 Merkur-Artikeln (2017–2023)

Josef Berger aus Seebach bei Oberaudorf betrieb seit 1992 den Rankenlift am Sudelfeld – einen 740 Meter langen Schlepplift, der seit 1977 Skifahrer von der Grafenherberg zum Waldkopf beförderte. Er galt als Schneekanonen-Pionier des Skigebiets. Heute steht der Lift still. Die Gaststube ist geschlossen. Und zwischen Berger und den Bergbahnen Sudelfeld herrscht Funkstille. Die Geschichte eines Konflikts, der viel über Machtverhältnisse am Sudelfeld verrät.

6+ Jahre Stillstand
1977 Lift in Betrieb seit
2 Pisten verloren
6,5 Mio. Euro Achter-Sessellift
I

Die Akteure

Josef Berger
Rankenlift-Betreiber

Landwirt aus Seebach (Gemeinde Oberaudorf, Landkreis Rosenheim). Betreibt den Rankenlift seit rund 25 Jahren. Galt als Schneekanonen-Pionier am Sudelfeld – seine Pisten waren oft die ersten, die beschneit waren, und die letzten, die schlossen. Betrieb zusätzlich den Grafenherberglift und eine Gaststätte nahe der Grafenherberg. Eigene Beschneiungsanlage mit zwei Schneeteichen.

Bergbahnen Sudelfeld GmbH
Skigebietsbetreiber

2013 gegründet mit Gemeindebeteiligung (33 %, finanziert durch 600.000 Euro Steuergelder). Geschäftsführer: Egid Stadler, zugleich Vize-Bürgermeister von Bayrischzell. Investierte 6,5 Millionen Euro in den Achter-Sessellift Sudelfeldkopfbahn (Eröffnung Winter 2017/18). Familie Berger trat der GmbH bei Gründung nicht bei.

Schade, dass ausgerechnet der Pionier der Beschneiung, der die letzten Jahre immer die am besten präparierten Pisten angeboten hat, nun weg ist. — Skifan in Online-Forum, 2017
II

Die Vorgeschichte: GmbH-Gründung ohne Berger

Das Skigebiet Sudelfeld war historisch kein einheitliches Unternehmen, sondern ein Verbund verschiedener Familien-Liftbetriebe. Seit den 2000er-Jahren wurde die Zusammenführung in eine GmbH diskutiert. 2013 war es so weit – doch nicht alle machten mit.

Wer blieb draussen

Familie Berger – Rankenlift, Grafenherberglift, eigene Beschneiung

Familie Klaus Waller – Schlepplifte Rosengasse, Vogelsang, Sudelfeldkopf II

Familie Schweinsteiger – Plattenlift (2022 versteigert)

Die Gemeinde Bayrischzell unter Bürgermeister Georg Kittenrainer beteiligte sich mit 600.000 Euro an der neuen GmbH und wurde 33-Prozent-Gesellschafterin. Es war der Beginn einer Verflechtung zwischen Gemeinde und Bergbahnen, die später auch in der Wasseraffäre eine Rolle spielen sollte.

III

Der Bruch: Sommer 2017

Der Auslöser war der Bau der neuen Achter-Sesselbahn am Sudelfeldkopf – ein 6,5-Millionen-Euro-Projekt, das drei alte Schlepplifte ersetzte. Die Trasse führte direkt neben Bergers Rankenlift vorbei. Berger sah darin eine existenzielle Bedrohung: Die neue Grossanlage würde seinem kleinen Schlepplift die Kunden abgraben.

Doch der Konflikt hatte tiefere Wurzeln. Bereits 2013 war der Pachtvertrag für den Grund des Grafenherberglifts ausgelaufen. Eine Verlängerung kam nicht zustande. Wie das Landgericht München II später feststellte: nicht auf Betreiben der Bergbahnen, sondern wegen mangelnder Kommunikationsbereitschaft aufseiten Bergers. Die Bergbahnen GmbH pachtete daraufhin selbst den Grund – und schuf damit die Voraussetzungen für den Achter-Sessellift.

Streitpunkte

1. Verteilerschlüssel: Berger berief sich auf eine Vereinbarung vom 15. Oktober 2001, die ihm feste Prozentanteile an den Liftkarteneinnahmen zusicherte. Die Bergbahnen GmbH lehnte Fixprozente ab und bot ein dynamisches Modell an (nach Art des Lifts, Höhenmeter, Fahrten).

2. Trassenführung: Die neue Sesselbahn startete wenige Meter neben dem Rankenlift – direkte Konkurrenz für den Schlepper.

3. Grundstücke: Berger untersagte der GmbH die Nutzung seiner Grundstücke für Pistenführung. Ein abgelaufener Pachtvertrag für den ehemaligen Grafenherberg-Hang wurde zum zweiten Rechtsstreit.

Berger kündigte im Sommer 2017 seine Mitgliedschaft im Liftverbund. In den neuen Pistenplänen stand fortan neben seinem Lift: „Nicht im Skipassverbund.“

IV

Die Chronik der Eskalation

2013
Bergbahnen Sudelfeld GmbH wird gegründet – ohne Familie Berger. Pachtvertrag für den Grafenherberg-Grund läuft aus.
Sommer 2017
Berger kündigt die Mitgliedschaft im Liftverbund. Grafenherberglift wird abgerissen. Bau der Achter-Sesselbahn beginnt.
September 2017
Stadler bietet Rücknahme der Kündigung an. Berger reagiert nicht – auch nicht über seinen Anwalt.
Oktober 2017
Eröffnung der Achter-Sesselbahn Sudelfeldkopf (6,5 Mio. Euro). Rankenlift offiziell nicht mehr im Verbund.
November 2017
Gütetermin am Gericht. Berger behauptet: Sein Lift wird laufen, ohne Extrakosten für Skifahrer. Stadler widerspricht. Klage auf Schadensersatz wegen Sessellift-Bau läuft.
Winter 2017/18
Rankenlift fährt sporadisch, steht aber immer öfter still – vor allem an Werktagen. Fehlende Einnahmen machen Betrieb unwirtschaftlich.
Frühjahr 2018
Berger lässt zwei Verhandlungstermine platzen: den Gütetermin und ein Verbundgespräch über die Einnahmenaufteilung. Bergbahnen erzwingen Unterlassungserklärung: Berger darf nicht mehr behaupten, sein Lift gehöre zum Skipassverbund.
Herbst 2018
Gerichtlich gesetzte Frist zur Rücknahme der Klage: Berger lässt sie verstreichen. Neues Rückkehrangebot der GmbH: keine Reaktion.
März 2019
Landgericht München II weist Schadensersatzklage ab. Berger habe den Verlust des Grafenherberglifts selbst verschuldet: Grundeigentümer wären einer Pachtverlängerung nicht abgeneigt gewesen. Bergers Gaststätte ist ebenfalls geschlossen.
2022
Stadler gibt Einigungsversuche vollständig auf: „Es wird einen Generationswechsel brauchen.“ Rankenlift im Pistenplan ausgeixt.
2023
Komplette Funkstille. Berger-Familie hat auch das Rankenstüberl geschlossen. Zwei Pisten (eine blaue, eine rote) nicht mehr nutzbar. Ostabfahrt als Alternative zur schwarzen Waldkopf-Piste fehlt.
V

Was das Skigebiet verloren hat

Egid Stadler selbst räumte ein, dass Berger nicht ganz Unrecht haben dürfte: Die neue Grossanlage direkt nebenan grabe dem Rankenlift tatsächlich das Wasser ab. Doch die Konsequenzen tragen nicht nur Berger, sondern alle Skifahrer:

Verluste für das Skigebiet

Zwei Pisten weniger: Eine blaue und eine rote Abfahrt vom Waldkopf sind nicht mehr nutzbar.

Ostabfahrt fehlt: Die einzige Alternative zur anspruchsvollen schwarzen Piste am Waldkopflift ist weg.

Plattenlift sinnlos: Ohne Rankenlift braucht man laut Stadler auch den Plattenlift nicht – der brachte weniger geübte Skifahrer zur Ostabfahrt.

Beschneiungswissen verloren: Berger war der Experte für Kunstschnee am Sudelfeld – mit eigenem System und zwei Schneeteichen.

Gaststätte weg: Das Rankenstüberl nahe der Grafenherberg ist geschlossen.

Talabfahrt Geschichte: Bereits früher hatte das Sudelfeld seine Talabfahrt nach Bayrischzell verloren – nach einem tödlichen Skiunfall (dokumentiert 2007). Mit dem Rankenlift-Aus schrumpft das Pistenangebot weiter.

Sie [die Ostabfahrt] täte dem Sudelfeld gut. Ohne brauche man aber auch den Plattenlift nicht, der vor allem dazu dient, weniger geübte Skifahrer vom Mittleren Sudelfeld zu eben jener Ostabfahrt zu bringen. — Egid Stadler, Bergbahnen-Geschäftsführer, 2023
VI

Das Muster: Kleine weichen Grossen

Der Liftstreit ist kein Einzelfall. Er reiht sich in ein Muster ein, das sich durch die Geschichte des Sudelfeld-Skigebiets zieht: Kleine, familiengeführte Betriebe weichen der zunehmend zentralisierten Bergbahnen GmbH.

Neben der Familie Berger blieben auch die Familien Waller (Rosengasse, Vogelsang) und Schweinsteiger (Plattenlift) ausserhalb der GmbH. Der Plattenlift wurde 2022 versteigert. Das Skigebiet Sudelfeld, einst ein vielfältiger Verbund von Familienbetrieben, wird zunehmend zum Ein-Unternehmen-Gebiet – geführt von Egid Stadler, der gleichzeitig als Vize-Bürgermeister über kommunale Zuschüsse an die GmbH mitentscheidet.

Bürgermeister Kittenrainer versuchte nach eigener Aussage zu vermitteln. Sein Fazit 2018: „Zu gegensätzlich sind die Vorstellungen.“ Doch die Frage bleibt: Hätte eine Gemeinde, die selbst mit 33 Prozent an der GmbH beteiligt ist, überhaupt neutral vermitteln können?

Gemeinde als Partei

Die Gemeinde Bayrischzell ist mit 33 % an der Bergbahnen Sudelfeld GmbH beteiligt (Kaufpreis: 600.000 Euro Steuergelder). Der Bürgermeister, der zwischen Berger und der GmbH vermitteln sollte, vertritt gleichzeitig die Interessen der GmbH-Gesellschafterin Gemeinde.

Wir hoffen immer noch auf die Unterstützung der Bevölkerung, damit ein kleines Familienunternehmen nicht mit Hilfe von Steuergeldern in Millionenhöhe wirtschaftlich vernichtet wird. — Josef Berger, Rankenlift-Betreiber, Februar 2018
VII

Fazit: Warten auf den Generationswechsel

Seit 2022 wartet die Bergbahnen GmbH offiziell auf den „Generationswechsel“ bei der Familie Berger. Das ist eine Höflichkeitsformel für: Der Konflikt ist unlösbar, solange Berger am Ruder ist.

Ob Berger tatsächlich der Hauptschuldige ist, wie das Landgericht befand, oder ob ein Familienbetrieb systematisch an den Rand gedrängt wurde – diese Frage lässt sich aus den Zeitungsberichten allein nicht abschliessend beantworten. Klar ist: Das Sudelfeld hat durch den Streit verloren. Zwei Pisten, eine Gaststätte und das Know-how eines Beschneiungspioniers sind weg.

Der Liftstreit zeigt aber auch, was passiert, wenn kommunale Beteiligung und privatwirtschaftliche Interessen verschmelzen. Die Gemeinde Bayrischzell war nicht neutrale Vermittlerin, sondern Partei. Und Egid Stadler sass – wie bei der Wasseraffäre – auf beiden Seiten des Tisches: als Geschäftsführer der Bergbahnen und als Vize-Bürgermeister der Gemeinde.

VIII

Was der Merkur nicht schreibt

Dieser Artikel basiert auf 13 Merkur-Artikeln zum Liftstreit. Bei deren Auswertung fällt ein Muster auf, das sich auch bei der Wasseraffäre und der Kläranlage wiederholt: Die zentrale Frage der Befangenheit wird konsequent ausgeklammert.

Unbequeme Fragen, die der Merkur nicht stellt
  • Befangenheit des Rathauses: Die Gemeinde Bayrischzell war zum Zeitpunkt des Konflikts mit 33 % an der Bergbahnen Sudelfeld GmbH beteiligt (heute noch rund 10 %). Egid Stadler war gleichzeitig Vize-Bürgermeister und Geschäftsführer der GmbH. Bürgermeister Kittenrainer deklarierte sich als „Vermittler“ – doch waren nicht sowohl der Erste als auch der Zweite Bürgermeister in diesem Konflikt befangen? Kann man ernsthaft von neutraler Vermittlung sprechen, wenn beide höchsten Gemeindevertreter wirtschaftliche Interessen an einer der Streitparteien hatten? In keinem einzigen Merkur-Artikel wird die Frage aufgeworfen, ob hier eine strukturelle Befangenheit nach Art. 49 GO vorliegt.
  • Verteilungsschlüssel: Der Streit entzündete sich am Einnahmen-Verteilungsschlüssel des Verbundskipasses. Berger behauptete, die GmbH habe seinen Anteil einseitig gekürzt. Die GmbH behauptete, Berger habe den neuen Schlüssel nicht akzeptiert. Kein Merkur-Artikel nennt die konkreten Zahlen oder prüft, welche Seite sachlich recht hat.
  • Das Muster Stadler: Ob Rankenlift, Gemeindewasser für die Beschneiung oder die leeren Gemeindekassen – das Ergebnis ist stets dasselbe: Die Bergbahnen GmbH profitiert, Einzelne oder die Allgemeinheit tragen die Kosten. Ist das Zufall – oder ein System?

Das soll nicht heissen, dass Josef Berger keine Fehler gemacht hat – das Landgericht hat seine vertraglichen Pflichten klar bewertet. Aber eine seriöse Berichterstattung hätte beide Seiten gleichermassen hinterfragt. Stattdessen zeichnet der Merkur über alle 13 Artikel hinweg ein Bild, in dem das Rathaus als besorgter Vermittler und Berger als schwieriger Einzelkämpfer erscheint. Die eigentliche Machtfrage – wer an welchem Hebel sitzt und wer davon profitiert – bleibt ungestellt.

Ein Muster, das sich wiederholt

Der Liftstreit reiht sich nahtlos ein in eine Serie von Vorgängen, bei denen die Grenzen zwischen Gemeindeamt und Bergbahnen-Geschäft verschwimmen:

Gemeindewasser Die Gemeinde liefert Trinkwasser zur Beschneiung an die GmbH – zu Konditionen, die öffentlich nie geprüft wurden. Der Vize-Bürgermeister ist gleichzeitig Geschäftsführer des Abnehmers.
Gemeindekassen Die Gemeindefinanzen zeigen strukturelle Defizite – während die GmbH laut Rechenschaftsbericht Gewinne einfuhr. Fliesst das Geld in die richtige Richtung?
Rankenlift Ein unbequemer Minderheitsgesellschafter wird aus dem Verbund gedrängt – die Gemeinde als 33-%-Gesellschafterin „vermittelt“, statt die Machtverhältnisse zu hinterfragen.
Kläranlage Beim Kläranlagen-Projekt zahlen die Bürger Verbesserungsbeiträge – wer profitiert letztlich von der Infrastruktur?

In jedem dieser Fälle stellt sich dieselbe Frage: Handelt die Gemeinde im Interesse ihrer Bürger – oder im Interesse der GmbH, an der sie beteiligt ist? Und in jedem dieser Fälle vermeidet der Miesbacher Merkur genau diese Frage.

Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern eine dokumentierbare Lücke in der Berichterstattung. Die Fakten liegen offen – man muss sie nur zusammenführen. Und genau das ist die Aufgabe, die dieser Artikel übernimmt, weil die Regionalzeitung sie offensichtlich nicht übernehmen will.

IX

Die Frage, die niemand stellt

Der Liftstreit ist nicht nur ein Streit zwischen zwei Parteien. Er ist ein Symptom für ein tieferliegendes Problem, das die gesamte touristische Zukunft der Region betrifft.

Wie soll sich eine Region touristisch weiterentwickeln, wenn über Jahre hinweg ein Muster erkennbar wird, bei dem unbequeme Akteure – ob zugezogene Bürger, kritische Unternehmer oder eigenständige Liftbetreiber – offenbar systematisch an den Rand gedrängt werden? Der Rankenlift-Betreiber Josef Berger, Beschneiungspionier und langjähriger Partner, verlor seinen Platz im Verbund. Die Gemeindewasser-Konditionen für die Beschneiung wurden öffentlich nie hinterfragt. Die Gemeindekassen zeigen Defizite, während die GmbH Gewinne verbuchte.

Wer investiert in eine Tourismusregion, in der Einzelunternehmer offensichtlich keinen fairen Wettbewerb erwarten können? Wer eröffnet einen Gastronomiebetrieb, wenn das Risiko besteht, durch Machtstrukturen verdraengt zu werden? Wer baut ein innovatives Angebot auf, wenn die Spielregeln nicht für alle gleich gelten?

Die eigentliche Frage

Wenn ein Geschäftsführer anscheinend nicht in der Lage ist, ein Unternehmen unter fairen Wettbewerbsbedingungen zu führen – also durch ein besseres Angebot, günstigere Preise, attraktivere Infrastruktur – sondern stattdessen Konkurrenten aus dem Markt drängen muss: Was sagt das über die Qualität der Unternehmensführung?

Und warum stellt der Miesbacher Merkur, der in 13 Artikeln über den Liftstreit berichtet, nicht ein einziges Mal diese naheliegende Frage?

Gesunde Tourismusregionen leben von Vielfalt, Wettbewerb und Innovation. Sie leben davon, dass verschiedene Anbieter um das beste Angebot konkurrieren – zum Vorteil der Gäste und der gesamten Region. Was am Sudelfeld über ein Jahrzehnt dokumentierbar passiert ist, wirkt wie das Gegenteil: eine Konsolidierung, bei der am Ende ein einziger Akteur übrig bleibt – und die Gemeinde als Gesellschafterin dabei zusieht, statt den fairen Wettbewerb zu schützen.

Es ist nicht Aufgabe einer Gemeinde, Unternehmen vor Konkurrenz zu schützen. Es ist ihre Aufgabe, für einen fairen Rahmen zu sorgen, in dem alle Bürger und Unternehmer gleiche Chancen haben. Ob das in Bayrischzell der Fall war, darf angesichts der dokumentierten Fakten zumindest bezweifelt werden.

X

Wer berichtet – und wer nicht?

Von den 13 Merkur-Artikeln zum Liftstreit (2016–2025) tragen fünf keinen sichtbaren Autorennamen im Online-Artikel. Durch Analyse der Volltexte konnten bei zwei weiteren Artikeln Autorenkürzel identifiziert werden: „Lift-Krieg am Sudelfeld“ (2017) trägt das Kürzel Martin Aerzbäck, und „Liftstreit: Jetzt soll ein Gütetermin helfen“ (2017) das Doppelkürzel aez/dak – also Aerzbäck und Daniel Krehl.

Berichterstattung Liftstreit: 13 Artikel, 2016–2025 Autorenangaben aus Online-Artikeln + Volltext-Kürzel-Analyse Unbekannt 5 Artikel (38%) Seb. Grauvogl 4 Artikel (31%) M. Aerzbäck 1+1 (8+8%) D. Krehl (dak) 1 (8%) Stephen Hank 1 (8%) L. Simeth 1 (8%) Kein Autor im Online-Artikel Kürzel im Volltext identifiziert Kein Artikel stellt die Befangenheitsfrage nach Art. 49 GO.

Bemerkenswert ist nicht nur, wer berichtet, sondern auch worüber:

  • Sebastian Grauvogl (4 Artikel) berichtete primär über die Folgen des Konflikts – Zwangsversteigerung der Berger-Lifte, Schindlberger Alm, Sonnenalm – nicht über seine Ursachen.
  • Martin Aerzbäck verfasste den ersten Hintergrundartikel („Lift-Krieg“, August 2017) und war am Gütetermin-Bericht beteiligt – mit Abstand die analytischsten Beiträge der Serie.
  • Daniel Krehl (Kürzel „dak“) war Co-Autor des Gütetermin-Artikels (November 2017) und berichtete auch separat über Sudelfeld-Themen – sein Beitrag trug das einzige Doppelkürzel „aez/dak“.
  • Stephen Hank berichtete über die Sonnenalm-Pläne – derselbe Journalist, dessen Rolle in der Berichterstattung über die Zeller Schmankerl bereits an anderer Stelle dokumentiert ist.
  • Ludwig Simeth verfasste den einzigen Artikel, der den Konflikt beim Namen nennt: „Liftstreit am Sudelfeld: Keine Einigung in Sicht“ (Februar 2018).

Die eigentlichen Streit-Artikel – also jene, die über den laufenden Konflikt berichten – blieben überwiegend ohne vollständige Autorenangabe im Online-Auftritt. Bei einem Thema, das kommunalpolitische Befangenheit berührt, wäre redaktionelle Transparenz ein journalistisches Minimum.

Die 13 Artikel im Überblick

Nachfolgend die Zusammenfassungen aller 13 Merkur-Artikel, auf denen diese Analyse basiert. Die Kurzfassungen geben die wesentlichen Aussagen der jeweiligen Berichterstattung wieder.

15.04.2016 Grafenherberglift darf stehen bleiben Autor: unbekannt

Skivereine aus dem Rosenheimer Landkreis hatten sich für den Erhalt des Grafenherberglifts eingesetzt, der im Zuge der Modernisierung abgerissen werden sollte. Nach Intervention der Sportreferentin blieb der Schlepplift bestehen. Ein frühes Signal, dass die Modernisierungspläne der GmbH nicht unumstritten waren. 274 Wörter.

24.08.2017 Lift-Krieg am Sudelfeld – was wir wissen Autor: M. Aerzbäck (Kürzel)

Der erste Hintergrundartikel zum Konflikt: Josef Berger, seit 25 Jahren Betreiber des Rankenlifts, will aus dem Skipassverbund austreten und seinen Lift eigenständig betreiben. Der Verbund droht zu zerbrechen. Der Artikel beschreibt Bergers Motive und die Gegenposition der GmbH, ohne die Befangenheitsfrage zu stellen. 508 Wörter.

25.11.2017 Liftstreit: Jetzt soll ein Gütetermin helfen Autor: aez/dak (Aerzbäck/Krehl)

Kurz vor Saisonstart ist unklar, ob Skifahrer den Rankenlift nutzen können. Berger verschickt E-Mails an Politiker und Medien. Die Bergbahnen-GmbH unter Stadler hofft auf einen Gütetermin. Bürgermeister Kittenrainer versucht zu vermitteln – obwohl die Gemeinde selbst Gesellschafterin ist. 550 Wörter.

06.02.2018 Liftstreit am Sudelfeld: Keine Einigung in Sicht Autor: Ludwig Simeth

Berger lässt Verhandlungstermine platzen, die GmbH droht mit Unterlassungsklage. Der Rankenlift steht vor allem werktags still. Der Artikel zeichnet Berger als schwierigen Verhandlungspartner – ohne zu fragen, ob die Verhandlungsbedingungen fair waren. 457 Wörter.

24.09.2018 Skigebiet Sudelfeld: Der Liftstreit ist noch nicht ausgestanden Autor: unbekannt

Die Modernisierung schreitet voran, doch der Rankenlift bleibt Problem. Stadler berichtet, Berger habe auf ein neues Angebot nicht reagiert. Preiserhöhung auf 39 € Tagespass. Bergers Perspektive kommt nur indirekt vor. 526 Wörter.

13.12.2019 Schindlberger Alm: Neuer Eigentümer, neuer Wirt Autor: Sebastian Grauvogl

Die Hütte nahe der Sudelfeldstrasse bekommt einen neuen Eigentümer. Kein direkter Liftstreit-Artikel, aber relevant für das Bild der gastronomischen Umstrukturierung am Sudelfeld, bei der etablierte Betreiber abgelöst werden. 462 Wörter.

22.01.2022 Bergbahngesellschaft plant kleine Schritte und einen grossen Wurf Autor: unbekannt

Der Rankenlift ist im Übersichtsplan ausgeixt und als „nicht im Skipassverbund“ markiert. Die GmbH wartet auf einen „Generationswechsel“ bei der Familie Berger. Stadler plant gleichzeitig eine Vision vom autofreien Sudelfeld mit neuer Bergbahn. 661 Wörter.

28.01.2022 Ehrgeizige Pläne für Sonnenalm auf dem Sudelfeld Autor: Stephen Hank

Immobilienmakler Oliver Herbst plant die Sanierung der Sonnenalm. Die Gemeinde signalisiert Zustimmung. Während Bergers Lifte zwangsversteigert werden, entsteht auf dem Sudelfeld ein neues Gastronomieprojekt – mit kommunalem Wohlwollen. 706 Wörter.

11.08.2022 Zwangsversteigerung: Zwei Skilifte kommen unter den Hammer Autor: Sebastian Grauvogl

Bergers Rankenlift und Grafenherberglift werden am Amtsgericht Wolfratshausen zwangsversteigert. Das Ende eines Familienbetriebs in wenigen Absaetzen. Die Bergbahnen GmbH bietet mit. Kein Wort darüber, wie es so weit kommen konnte. 492 Wörter.

13.08.2022 Zwangsversteigerung: Ergebnis steht fest Autor: Sebastian Grauvogl

Stadler hob bei 2,25 Mio. € zum letzten Mal die Hand – ein privater Bieter aus Österreich erhielt den Zuschlag bei 2,26 Mio. Damit gingen die letzten Berger-Anlagen an einen Dritten. Die GmbH ging leer aus – vorerst. 377 Wörter.

13.04.2023 Ständig neue Hürden am Sudelfeld Autor: unbekannt

Ein Saison-Rückblick: 100 Skitage, aber geschlossene Gaststätten und stillstehende Lifte. Stadler blickt neidisch nach Lenggries. Mehrere Hütten standen den Winter über leer. Die Folgen des Liftstreits wirken nach, werden aber nicht als solche benannt. 969 Wörter – der längste Artikel der Serie.

08.12.2023 Wintereinbruch verhindert Sonnenalm-Fertigstellung Autor: Sebastian Grauvogl

Die Sanierung der Sonnenalm verzögert sich. Eigentümer Herbst und sein Team hatten es fast geschafft, doch der Schnee kam zu früh. 1,8 Tonnen Material warteten auf den Einbau. Das neue Gastronomiekonzept wächst – dort, wo Bergers Einfluss verschwunden ist. 551 Wörter.

15.09.2025 Hohe Kunst mitten im Skigebiet Autor: unbekannt

Die ehemalige Sonnenalm wird zur „Alpengalerie“ – ein Luxuskonzept mit Kunst, Gastronomie und Beherbergung. Auch das Tiroler Stüberl gehört jetzt dazu. Das Sudelfeld bekommt ein neues Gesicht – ohne die alten Betreiber. 537 Wörter.

Quellen & Methodik

Dieser Artikel basiert auf 13 Artikeln des Miesbacher Merkur (2017–2023) sowie einer Analyse von 2.867 Forenbeiträgen im Alpinforum/Sudelfeld-Forum (2002–2026). Zusätzlich wurden öffentlich zugängliche Gerichtsinformationen (Landgericht München II) ausgewertet.

Hinweis: In den 2.867 Forenbeiträgen finden sich keine Hinweise auf persönliche Tragödien im Zusammenhang mit dem Liftstreit. Der einzige dokumentierte Todesfall am Sudelfeld betrifft einen tödlich verunglückten Skifahrer auf der ehemaligen Talabfahrt nach Bayrischzell (2007) – ein Skiunfall, der zur Schliessung dieser Abfahrt führte.

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