Bayrischzell hat gewählt. Die Fragen bleiben.
Wahlanalyse · 9. März 2026
Am 8. März 2026 hat Bayrischzell gewählt. Georg Kittenrainer (CSU) wurde mit 81,1 Prozent als Erster Bürgermeister bestätigt. Albert Jupé (Freie Wähler) erhielt 18,9 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 68,1 Prozent – ein Rückgang von 2,5 Prozentpunkten gegenüber 2020.
Wir respektieren dieses Ergebnis. Es ist die Entscheidung der Bayrischzeller Bürgerinnen und Bürger, und sie haben das Recht, sie zu treffen.
Wir haben von Anfang an gesagt: Unsere Forderungen nach Transparenz im Umgang mit Steuergeldern sind unabhängig von Wahlen. Das waren sie vor dem 8. März. Das bleiben sie danach.
Bürgermeisterwahl
| 2020 | 2026 | Veränderung | |
|---|---|---|---|
| Kittenrainer (CSU) | 78,05% (736 St.) | 81,1% (~731 St.) | +3,1 Pp. |
| Jupé (FW) | 21,95% (207 St.) | 18,9% (~170 St.) | –3,1 Pp. |
| Wahlbeteiligung | 70,6% | 68,1% | –2,5 Pp. |
| Stimmberechtigte | ca. 1.347 | 1.324 | –23 |
Auf den ersten Blick ein klarer Zuwachs für Kittenrainer. Auf den zweiten Blick zeigt die gesunkene Wahlbeteiligung ein anderes Bild: Die absolute Zahl der Kittenrainer-Wähler ist nahezu unverändert – 2020 waren es 736, 2026 rund 731. Was sich verändert hat, ist die Zahl derer, die gar nicht gewählt haben. Der Zuwachs in Prozent ist rechnerisch fast vollständig durch die geringere Wahlbeteiligung erklärbar – nicht durch zusätzliche Unterstützung.
Was 81,1% wirklich bedeuten
81,1 Prozent – das klingt nach überwältigender Zustimmung. Doch diese Zahl bezieht sich nur auf die Wähler, die tatsächlich an die Urne gegangen sind. Bezogen auf alle Stimmberechtigten sieht die Rechnung anders aus:
Der Unterschied
Der „harte Kern“ der Kittenrainer-Unterstützer umfasst rund 731 von 1.324 Stimmberechtigten. Das ist eine Mehrheit – aber keine überwältigende. Knapp jeder dritte Stimmberechtigte ist am 8. März zu Hause geblieben. Vielleicht aus Resignation. Vielleicht, weil er keine Alternative sah. Vielleicht, weil er auf die Institutionen setzt – auf die Kommunalaufsicht, auf die Förderbehörde, auf das Recht.
„So und was jetzt? IHR KÖNNT ZUSAMMEN PACKEN!!!!!“
Zusammenpacken? Handelsregistereinträge verschwinden nicht durch Wahlen. Haushaltszahlen korrigieren sich nicht durch Stimmzettel. Und die Frage, ob ein Förderprogramm für kommunale Trinkwasserversorgung zweckgemäß verwendet wurde, entscheidet keine Bürgermeisterwahl – sondern eine Förderbehörde.
Eine Wahl beantwortet keine Sachfragen
Sie entscheidet, wer regiert – nicht, ob richtig regiert wurde. Und die Sachfragen, die wir seit Februar 2026 dokumentieren, sind durch das Wahlergebnis nicht beantwortet. Keine einzige.
Die Wasseraffäre: 980.000 Euro Steuergelder für eine Wasserleitung, durch die 440.000 Kubikmeter pro Jahr fließen – das 147-fache des plausiblen Trinkwasserbedarfs. Die Bergbahnen Sudelfeld beziehen kommunales Wasser zum Freundschaftspreis von 0,80 €/m³ – bei einem Marktpreis von 1,50–3,50 €/m³. Die implizite jährliche Subvention: 310.000 bis 1.150.000 Euro. An ein Unternehmen mit 1,27 Mio. Euro Gewinn. Vollständige Recherche →
Die Kläranlage: 6,8 Millionen Euro. Härtefallförderung nicht beantragt. 2.500 bis 3.300 Euro vermeidbare Mehrkosten pro Grundstück. Die Bescheide kommen im April – vier Wochen nach der Wahl. Erst wird gewählt, dann wird kassiert. Details und Widerspruch-Generator →
Die Bürger, die am 8. März für Kittenrainer gestimmt haben, werden im April einen Brief der Gemeinde öffnen. In diesem Brief steht eine Zahl. Und neben dieser Zahl steht eine Zahl, die nicht drinsteht: der Betrag, den sie weniger hätten zahlen müssen, wenn die Härtefallförderung beantragt worden wäre.
Die 44 Fragen: Unbeantwortet. Seit dem 21. Februar 2026. Nicht eine einzige Antwort. Kein Wort zur Glasfaser-Vergabe. Kein Wort zur Straßensanierung. Kein Wort zu den Heizkosten. Kein Wort zum Wasservertrag mit der BSG. Alle 44 Fragen →
„Ez konnst as Zahna ofanga mid deiner Kasperl-Seitn, i glab 81,1% sprechen für sich ;)“
81,1% sprechen – aber wofür? Nicht für beantwortete Fragen. Nicht für Transparenz bei der Wasserleitung. Nicht für beantragte Härtefallförderung. Und nicht dafür, dass 980.000 Euro Steuergelder ordnungsgemäß verwendet wurden. Eine Wahl ist ein Vertrauensvotum – keine Buchhaltungsprüfung.
Gemeinderat 2026
Die vollständigen Ergebnisse sind auf der Gemeinde-Website einsehbar.
Wer neu ist, wer bleibt, wer geht
Egidius Stadler – Vize-Bürgermeister, BSG-Geschäftsführer, Kommanditist und bis November 2024 Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft Sudelfeld – der Mann mit den vier Rollen, die wir in der Wasseraffäre dokumentiert haben, kandidiert nicht mehr für den Gemeinderat. Ob freiwillig oder nicht, bleibt offen. Aber die Frage der Befangenheit bei den Wasser-Beschlüssen 2021–2023 ist mit seinem Ausscheiden nicht beantwortet.
Hanno Acher (FWG, 395 Stimmen) und Georg Acher (FWG, 373 Stimmen) sind erneut im Gemeinderat. Wir haben im Offenen Brief dokumentiert, dass Aufträge der Gemeinde an Personen aus dem Gemeinderat vergeben wurden. Josef Acher ist weiterhin Geschäftsleiter und Bauamtsleiter der Gemeindeverwaltung – sein Bruder Georg Acher sitzt als Gemeinderat im selben Gremium, das die Verwaltung kontrollieren soll.
Lukas Bucher (CSU) hat mit 744 Stimmen das beste Einzelergebnis aller Kandidaten erzielt – mehr als Kittenrainer auf der Gemeinderatsliste (507 Stimmen). Albert Jupé ist mit 240 Stimmen auf Platz 3 seiner Liste gelandet und nicht direkt gewählt – er ist Nachrücker.
Eine lokale Wahl, eine überregionale Frage
Diese Website hat jeden Tag mehr Leser als Bayrischzell Einwohner hat. Das Wahlergebnis ist lokal. Die Frage, ob Steuergelder ordnungsgemäß verwendet werden, ist es nicht.
Es geht hier nicht um die Kommunalwahl 2026. Es geht um Fairness. Steuergelder gehören nicht dem Bürgermeister. Sie gehören nicht dem Gemeinderat. Sie gehören den Bürgern, die sie bezahlen – und jedem Steuerzahler, der ein Recht darauf hat, dass mit öffentlichen Mitteln verantwortungsvoll umgegangen wird.
980.000 Euro Fördermittel für eine Wasserleitung, die primär einem privaten Unternehmen nutzt – das ist kein Bayrischzeller Thema. Das ist ein Thema für jeden, der Steuern zahlt. Und deshalb ist es egal, ob 81,1 Prozent eines 1.324-Einwohner-Ortes ihren Bürgermeister bestätigen. Die Frage, ob Fördermittel zweckgemäß verwendet wurden, entscheidet keine Dorfwahl.
Was wir den Bayrischzellern schuldig sind
Ehrlichkeit. Auch unangenehme.
Wir haben diese Website nicht gebaut, um eine Wahl zu gewinnen. Wir haben sie gebaut, weil öffentliche Gelder öffentlich kontrolliert werden müssen. Weil 980.000 Euro Steuergelder nicht ohne Fragen in eine Wasserleitung fließen dürfen, deren Nutzung Fragen aufwirft. Weil ein Bürgermeister, der 44 Fragen nicht beantwortet, keine 44 Antworten schuldig bleibt, nur weil er eine Wahl gewinnt.
Wir setzen auf die Institutionen. Denn Transparenz ist nicht nur eine Frage des Willens – sie ist eine Frage des Gesetzes. Und Gesetze gelten unabhängig von Wahlergebnissen.
Herr Kittenrainer, Sie haben das Vertrauen der Bayrischzeller. Nutzen Sie es.
Beantworten Sie die 44 Fragen. Legen Sie den Förderantrag für die Wasserleitung offen. Beantragen Sie die Härtefallförderung für die Kläranlage. Veröffentlichen Sie die Gemeinderatsprotokolle.
Zeigen Sie, dass das Vertrauen, das Ihnen 81 Prozent der Wähler geschenkt haben, gerechtfertigt ist.
Wenn Sie das tun, werden wir das dokumentieren – genauso sorgfältig wie alles andere.
Wenn Sie es nicht tun, werden wir ebenfalls weitermachen. An den Stellen, an denen es zählt: bei den Behörden, die prüfen müssen. Bei den Medien, die berichten können. Und auf dieser Website, die nicht aufhört zu fragen – egal wie das Wahlergebnis lautet.
Update 23. März 2026: In der Stichwahl hat Jens Zangenfeind (FWG) den Landratsposten mit 78 Prozent gewonnen – in Bayrischzell sogar mit 81,3 Prozent. Unsere Analyse der Landratswahl →
Quellen: Alle Wahlergebnisse: gemeinde.bayrischzell.de/wahlen/gr2026 · Alle Recherchen: zeller-schmankerl.bz
Weiterführend: Wahlkampfflyer-Analyse – Hochglanz vs. Realität – Eine Bilanz nach zwölf Jahren Kittenrainer.
Redaktion zeller-schmankerl.bz