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Defizit

Radwege Bayrischzell: Touristen-Hotspot ohne sichere Radinfrastruktur

~0 kmGesicherte Ortsradwege
200.000+Radtouristen pro Jahr
27 kmDistanz Miesbach (mit Radweg)

Bayrischzell ist ein populäres Ziel für Radtouristen — die malerische Tallage, der Wendelstein und das Sudelfeld ziehen Zehntausende Radfahrer jährlich an. Paradoxerweise fehlt es im Ort selbst und auf den Zufahrtsstraßen an gesicherter Radinfrastruktur. Radfahrer teilen sich die Fahrbahn mit dem motorisierten Verkehr auf der B307 — einer Bundesstraße mit erheblichem Durchgangsverkehr, gerade in der Saison.

Ist-Zustand der Radinfrastruktur

In Bayrischzell gibt es keinen durchgehend gesicherten Radweg entlang der Hauptstraße oder auf den Hauptzufahrtsstraßen. Touristenparkplätze haben vereinzelt Fahrradständer, aber kein durchgehendes Netz verbindet Unterkunft, Ort und Ausflugsziele auf separatem Radweg.

Der Mangfall-Radweg (bayernweiter Fernradweg) berührt das Bayrischzell-Gebiet — aber er führt nicht durch den Ortskern mit gesicherter Infrastruktur. Auf der B307 zwischen Bayrischzell und Schliersee, einer stark befahrenen Strecke, gibt es keinen Radweg. Das macht die Verbindung für ungeübte Radler, Familien und ältere Menschen gefährlich.

Das Tourismus-Paradoxon

Bayrischzell vermarktet sich als Outdoor-Destination — Wandern, Skifahren, E-Bike. Gleichzeitig fehlt die Grundinfrastruktur, die sichere Mobilität per Rad ermöglicht. Das wirkt widersprüchlich. Touristen, die mit dem E-Bike anreisen, müssen auf der Bundesstraße fahren oder parken und dann zu Fuß oder mit dem Auto zum nächsten Ausflugsziel.

Vergleich: Schliersee hat einen Radweg entlang der Seepromenade. Miesbach ist über einen Landkreis-Radweg erreichbar. Holzkirchen hat ein ausgebautes innerstädtisches Radnetz. Bayrischzell steht demgegenüber ohne gesichertes Netz da.

Fördermöglichkeiten

Der Freistaat Bayern fördert kommunalen Radwegebau über das Sonderprogramm Radwege des Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr mit bis zu 75% der zuwendungsfähigen Kosten. Für einen Ortsradweg oder einen gesicherten Radstreifen entlang der Hauptzufahrt wären das bei geschätzten 300.000–500.000 Euro Gesamtkosten rund 225.000–375.000 Euro Förderung. Der kommunale Eigenanteil wäre damit überschaubar.

Zusätzlich gibt es EU-Fördermittel für sanften Tourismus und Nahmobilität in ländlichen Regionen (LEADER-Programm, EFRE).

Was Bürger tun können

Ein Bürgerantrag kann den Gemeinderat verpflichten, einen Radwegeplan für Bayrischzell zu erarbeiten und einen Förderantrag zu prüfen. Mehrere vergleichbare Gemeinden haben so den Stein ins Rollen gebracht.

Quellen

Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr: Sonderprogramm Radwege, Förderrichtlinie 2024. ADFC Bayern: Radverkehrsnetz und Infrastrukturanalyse Landkreis Miesbach. Bundesstraße B307: Verkehrszählung 2023 (Bundesanstalt für Straßenwesen).

Das ist nur die Spitze des Eisbergs

Lies den vollständigen Offenen Brief an Georg Kittenrainer und die Recherche zur Wasseraffäre Sudelfeld — wie Bayrischzell zum Wasserwerk des Sudelfeld-Skigebiets gemacht wurde.