Landkreis unter der Lupe?
Ein Aufruf an alle Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Miesbach
Was in Bayrischzell ans Licht gekommen ist – fragwürdige Vergaben, ungeklärte Kostensteigerungen, intransparente Straßensanierungen, verschleierte Eigentumsstrukturen – sind keine Bayrischzeller Besonderheiten. Es sind Muster. Und diese Muster enden nicht an der Ortsgrenze.
Seit Veröffentlichung der Zeller Schmankerl erreichen uns Hinweise, die über Bayrischzell hinausgehen. Bürger aus anderen Gemeinden im Landkreis Miesbach berichten von ähnlichen Beobachtungen: von Entscheidungen, die Fragen aufwerfen. Von Projekten, deren Kosten explodieren. Von einer Kultur des Wegsehens.
Sollen wir künftig auch Fälle aus dem gesamten Landkreis Miesbach unter die Lupe nehmen? Nicht als Generalverdacht – sondern dort, wo konkrete Hinweise vorliegen und öffentliche Gelder betroffen sind.
Wir suchen keine Gerüchte. Wir suchen überprüfbare Fakten. Konkret interessieren uns Fälle wie:
Projekte, deren Kosten weit über die ursprüngliche Planung hinausgeschossen sind. Rechenschaftsberichte, die Fragen aufwerfen statt sie zu beantworten. Gebühren und Umlagen, deren Höhe nicht nachvollziehbar ist.
Aufträge, die auffällig oft an dieselben Firmen gehen. Vergabeverfahren, die intransparent wirken. Verflechtungen zwischen Entscheidungsträgern und Auftragnehmern.
Mandatsträger, die über Projekte abstimmen, von denen sie persönlich profitieren. Doppelfunktionen, die nicht offengelegt werden. Gefälligkeiten, die System haben.
Gemeinderatssitzungen ohne echte Debatte. Bürgeranfragen, die abgeblockt werden. Informationen, die der Öffentlichkeit vorenthalten werden, obwohl sie öffentlich sein müssten.
Was wir in Bayrischzell dokumentiert haben – von der Schmankerl-Sammlung bis zum Haushalts-Dashboard – zeigt: Man muss keine Geheimakten haben, um Fragen zu stellen. Öffentlich zugängliche Daten reichen oft völlig aus. Man muss nur hinschauen.
Der Landkreis Miesbach umfasst 17 Gemeinden. In jeder einzelnen werden öffentliche Gelder verwaltet, Aufträge vergeben, Entscheidungen getroffen. In vielen gibt es engagierte Gemeinderäte und gewissenhafte Bürgermeister. Aber:
Das ist kein Vorwurf – das ist menschliche Natur.
Die 10 Forderungen zur Transparenz, die wir für Bayrischzell formuliert haben, gelten im Grunde für jede Gemeinde: offene Haushalte, nachvollziehbare Vergaben, echte Kontrolle durch den Gemeinderat, Information statt Geheimniskrämerei.
In manchen Gemeinden funktioniert das besser als in anderen. Wir wollen herausfinden: Wo funktioniert es nicht – und warum?
Wenn Sie in einer Gemeinde im Landkreis Miesbach leben und Vorgänge beobachtet haben, die Fragen aufwerfen – melden Sie sich. Anonym, wenn Sie möchten. Wir verstehen das besser als die meisten, warum Anonymität manchmal der einzige Schutz ist.
Was einen guten Hinweis ausmacht:
- Konkret: Welche Gemeinde? Welches Projekt? Welcher Zeitraum?
- Überprüfbar: Gibt es öffentliche Quellen, Sitzungsprotokolle, Haushaltsdaten?
- Relevant: Sind öffentliche Gelder oder öffentliches Interesse betroffen?
Wir veröffentlichen nichts, was wir nicht anhand öffentlich zugänglicher Quellen verifizieren können. Das ist unser Prinzip – und das unterscheidet uns von Gerüchteküchen.
Hinweise senden
Schreiben Sie uns über das Kontaktformular – anonym und verschlüsselt. Oder per E-Mail an die auf der Kontaktseite angegebene Adresse. Jeder Hinweis wird vertraulich behandelt.
Zuständigkeit: Kommunalaufsicht
Das Landratsamt Miesbach ist als Kommunalaufsichtsbehörde zuständig. Eine Kommunalaufsichtsbeschwerde hat die niedrigste Beweishürde und die schnellste Wirkung aller möglichen Rechtsmittel. Mehr Hintergrund dazu in der Wasseraffäre II: Die Strukturen.
Kommunalaufsichtsbeschwerde sendenLandratsamt Miesbach • poststelle@lra-mb.bayern.de • Art. 108 ff. GO
Damit von Anfang an klar ist, wie wir arbeiten:
1. Fakten, keine Vermutungen. Wir veröffentlichen nur, was sich anhand öffentlich zugänglicher Quellen belegen lässt.
2. Fragen, keine Urteile. Wir stellen Fragen, die der Gemeinderat stellen sollte – und die Bürger sich längst stellen.
3. Quellenschutz ist absolut. Wer uns Hinweise gibt, wird niemals preisgegeben – unabhängig von Druck, Drohungen oder juristischen Versuchen.
4. Kein Generalverdacht. Wir untersuchen konkrete Fälle, keine Gemeinden. Wo alles in Ordnung ist, gibt es nichts zu berichten.
5. Transparenz in beide Richtungen. Betroffene erhalten die Möglichkeit zur Stellungnahme – so wie wir es auch bei der Stellungnahme von M. Hank gehandhabt haben.
Ihre Stimme zählt
Ob wir diesen Schritt gehen, hängt von Ihnen ab. Schreiben Sie uns, ob Sie das für sinnvoll halten – und wenn ja, zu welchen Themen oder Gemeinden Sie Fragen haben.
Was in Bayrischzell begonnen hat, muss nicht in Bayrischzell enden. Die Rechenschaftsberichte 2020–2023 werden gerade von Wirtschaftsprüfern aufgearbeitet. Transparenz ist kein Ortsprojekt. Transparenz ist ein Grundrecht.